Spätestens mit 17 Jahren steht man vor der Frage: Führerschein oder nicht? Gerade in Städten stehen neben dem eigenen Auto alternative Fortbewegungsmittel zur Verfügung, dazu gehört auch das Fahrrad. Es ist klimafreundlich, es hält fit, es ist oft schneller und deutlich flexibler. Aber kann es den gleichen Status vermitteln wie ein Auto? Wir glauben, ja.  [...]

Kann das Fahrrad ein Statussymbol sein?

Spätestens mit 17 Jahren steht man vor der Frage: Führerschein oder nicht? Gerade in Städten stehen neben dem eigenen Auto alternative Fortbewegungsmittel zur Verfügung und dazu gehört natürlich das Fahrrad. Es ist klimafreundlich, es hält fit, es ist oft schneller und deutlich flexibler. Aber kann es den gleichen Status vermitteln wie ein Auto? Wir glauben, ja.

Das Projekt StatusRad lässt sich nach den SMART-Kriterien wie folgt zusammenfassen: Das Ziel ist kurz- und mittelfristige Verhaltensänderungen bei Jugendlichen (9./10. Klasse, 14 –16 Jahre alt) in der Wahl des Verkehrsmittels Fahrrad nach der aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema „Radverkehr“ innerhalb einer Projektwoche an ihrer Schule mittels einer Evaluation über sechs Monate zu messen und Unterschiede zwischen fünf Schulen, die unterschiedliche Strukturen (sozial, Topographie, Stadtstruktur, Anfahrtswege zur Schule) aufweisen, zu ermitteln. Hierbei sollen auch mögliche breitenwirksame Spill-over-Effekte erfasst werden, d.h. die Wirkung, die der höhere Status des Fahrrads in der Zielgruppe bei anderen Personen aus dem Umfeld hinterlässt.

Wie sieht das Projekt genau aus?

Im Rahmen des Projekts werden Jugendliche der 9./10. Klasse in fünf verschiedenen Schulen in Deutschland durch eine Projektwoche angesprochen. Ihnen wird das Fahrrad als Fortbewegungsalternative zum Auto noch vor dem Erlangen des Führerscheins nähergebracht werden. Das Ziel ist es, dass diese Jugendlichen das Fahrrad in ihren Alltag integrieren und es verstärkt als gute, hippe/coole, kostengünstige Alternative sehen. Darüber hinaus soll das Projekt ihr Umweltbewusstsein stärker anregen. 

Es ist hierbei den Schulen offengestellt, wie die Schüler*innen zusammengestellt werden. Entweder findet die Woche im Klassenverband (präferiert) statt oder die Schüler*innen wählen das Thema. Bei der Wahl ist darauf zu achten, dass sich auch Schüler*innen eintragen, die noch nicht bzw. kaum Radfahren.

Wie findet die Auswahl der Schulen statt?

Die Auswahl der Schulen in drei Bundesländern erfolgt nach den Kriterien: 

  1. im dichtbesiedelten städtischen Umfeld mit hohem Ausländeranteil (Berlin-Neukölln/Kreuzberg)
  2. im städtischen Umfeld mit guter ÖPNV-Anbindung – mit durchschnittlichem/geringen Ausländeranteil (Berlin-Lichtenberg)
  3. Städtische, überregionale Schule mit hohem Ausländeranteil (internationale Schule, Berlin-Wilmersdorf)
  4. in bürgerlicher mittelgroßer Stadt (Kassel, Hessen)
  5. in Kleinstadt/Dorf mit ländlichem Umland (Glückstadt, Schleswig-Holstein)

Bis Ende Februar 2019 erfolgt die verbindliche Teilnahmeakquisition der fünf Schulen. Die Durchführung der Projektwoche erfolgt dann sukzessive in den Gut-Wetter-Monaten Mai bis September in 2019 und 2020. 

Welche Inhalte sind geplant?

Ein wichtiges Element ist die Erarbeitung eines attaktiven Projektwochen-Rahmenprogramms. Es wird unter Beteiligung der Lehrkräfte und eines versierten Projektbeirats im 1. Quartal 2019 erstellt und dann individuell an die Schulsituation angepasst. Dabei ist die Verzahnung von haptischen und kognitiven Elementen wichtig und Inhalte, die auf die konkreten Interessen der Altersgruppe abgestimmt sind. Aktuelle Fragen könnten folgende sein: Wird mein Po knackig durchs Radfahren? Welche Übungen spart das im Fitnessstudio? Wie finde ich das richtige Bike? Welche coolen Apps gibt es? Gemeinsamer Schulweg: Schneller und sicherer durch den Verkehr als organisierter Gruppenverband? In der Projektwoche wird beispielsweise die Fahrradumgebung (Infrastruktur) evaluiert, Verleihsysteme (sofern vor Ort) für (Lasten-)Räder getestet oder Kurzvideos zu neuen Modellen und Best-practice-Fahrradinfrastruktur gezeigt. Außerdem können die Schüler*innen ihre Fahrräder reparieren oder an ihnen „basteln“. 

Mit welchen Ergebnisse wird gerechnet?

Zweites wichtiges Element ist die Wirkungsevaluierung. Die Leitfrage des Vorhabens lautet: Lässt sich ein positiver Einfluss der Projektwoche feststellen? Gruppeninterviews und zeitliche gestaffelte Umfragen erfassen, u.a. Einstellungen zum Fahrrad hinsichtlich Image, Sicherheit, Komfort oder Nützlichkeit. Die Einstellungsänderung bei den Teilnehmer*innen und der Kontrollgruppe, d.h. Schüler*innen des Jahrgangs, die nicht an der Projektwoche teilnehmen, wird direkt nach der Projektwoche und noch einmal mehrere Monate später abgefragt. Als Arbeitshypothese sind konkrete Veränderungsziele festgelegt: 30 Prozent der Teilnehmenden nutzen wöchentlich einmal mehr das Fahrrad. Weitere 30 Prozent nutzen es zweimal mehr im Monat und weitere 20 Prozent einmal mehr in den Sommermonaten. Bei 20 Prozent der Jugendlichen wird vermutlich keine Veränderung nach der Projektwoche eintreten.

Welche Verbreitung erfährt StatusRad?

Öffentlichkeitswirksamkeit erhält das Projekt zunächst durch die Projektwebseite, die Vorstellung des Projektes in der Schule und durch Pressemitteilung der jeweiligen Schulen. Die Teilnehmenden Schüler*innen werden ermutigt, ihre Bilder und Projektergebnisse mit anderen Schüler*innen über die von ihnen genutzten Medien zu streuen (Instagram, Snapchat bzw. zu dem Zeitpunkt gerade genutzte Apps), um auch innerhalb der Zielgruppe eine größere Bekanntheit zu erreichen. Mit dem Vorliegen erster Ergebnisse wendet sich das Projekt dann auch der breiten Fachöffentlichkeit zu (ADFC, VCD, Fachzeitschriften für Lehrkräfte etc.). Die wissenschaftliche Evaluation wird in Fachvorträgen vorgestellt und zum Beispiel im Rahmen des kommunalen Radverkehrskongresses und am Projektende als Kurzbericht veröffentlicht. Die Zusammenarbeit und gegenseitige Öffentlichkeitsarbeit des Projekts StatusRad mit dem Wettbewerb fahrradfreundliche Schulen in Baden-Württemberg wird mit der Berufung zweier Personen (Lehrkraft und Schüler*in) aus einer ausgezeichneten Schule in den Projektbeirat angestrebt.

Praktisches Ergebnis ist die Toolbox, ein Anleitungshandbuch zur Durchführung von Fahrrad-Projektwochen für die Zielaltersgruppe der 14- bis 16-jährigen, die gegen Projektende im April 2021 veröffentlicht wird. Dazu wird es im April 2021 eine Abschlussveranstaltung in Berlin geben, zu der Delegationen der teilnehmenden Schulen, der Projektbeirat und die Fachöffentlichkeit geladen ist. 

Initiatorinnen des Projekts sind Carolin Kruse, Yvonne Hagenbach und Antje Merschel, die es zusammen mit Bodo Schwieger gemeinsam als Projektgruppe bei team red Deutschland GmbH durchführen.